Science Event "Risiko Energiegesellschaft"

(31.10.2008) Noch nie zuvor hat eine Gesellschaft so viel Energie verbraucht, wie wir es heute tun. Der Hunger nach Energie, also Verbrauch, aber auch Erzeugung und Verteilung in den verschiedenen Energie intensiven Bereichen, die zukünftigen Entwicklungen und deren Folgen für Gesellschaft, Individuum und Umwelt waren Themen des Science Events "Risiko Energiegesellschaft" am 28.10.2008 im Wiener RadioKulturhaus. Die etwa 200 TeilnehmerInnen erwartete eine Mischung aus Impulsstatements, Interviews und Diskussion.

 

Der Energiebedarf wächst. Die Krise wird nicht um Erlaubnis fragen, ob sie kommen darf. Doch wie ihr begegnen? Welche Risiken muss die Energiegesellschaft bewältigen, wie können Handlungsspielräume aussehen im Wandel von einer Energie orientierten Industriegesellschaft zu einer nachhaltigen Effizienzgesellschaft zu vollziehen?

Als hauptsächliche Risiken der Energiegesellschaft nannte Günther Brauner von der TU Wien das weiterhin ungebremste Wachstum des Energiebedarfs und die immer stärkere Fokussierung auf fossile Energie, die in Österreich einen Anteil von mehr als 40% hat. Die Industrieregionen der Welt heben derzeit, bezogen auf fossile Energie, einen durchschnittlichen Energiebedarf, der einer dauerhaft eingeschalteten Leistung von 4 bis 10 Kilowatt entspricht. Brauner: "Wenn jede/r WeltbürgerIn diesen auf ein Kilowatt absenken würde, könnten die fossilen Vorräte 300 Jahre ausreichen." Daraus ergäbe sich neben einer gerechteren Energiewelt vor allem auch günstige Auswirkungen für das Klima.

Ernährungstil und Wohnkomfort

 

Im Vortrag Tellerrand.Wohlstand nannte Karl von Koerber von der TU München, der in seinen Studien alle Teilbereiche im Ernährungssystem  - Erzeugung, Verarbeitung, Vermarktung, Zubereitung und Abfallentsorgung - miteinbezieht, Rindfleisch und andere tierische Produkte den großen CO2-Verursacher im Nahrungsbereich. Darüber hinaus sei der Verzehr tierischer Lebensmittel eine erhebliche Ressourcenverschwendung, meinte der Ernährungsökologe, da beispielsweise bei Rindfleisch erst zehn Kalorien verfüttert werden müssten, um eine Kalorie Rindfleisch zu erhalten. Er rät zu ökologisch angebauten, saisonalen und regionalen Produkten und empfiehlt, pflanzlichen Lebensmitteln den Vorzug zu geben.

Über den Energie intensiven Bereich Bauen und Wohnen referierte Karin Stieldorf, Architektin und Lehrende an der TU Wien, und nannte laut ihrer Studie das Einfamilienhaus einen der größten Energieverschwender aller Wohnformen: "Passivhäuser können 75 Prozent der Energie sparen", meinte sie, wobei damit einhergehend die "Verabschiedung vom Einfamilienhaus" erfolgen müsse auf dem Weg hin zu intelligenten Mehrfamilienhäusern, die Wochenendkomfort und Lebensmittelpunkt vereinen.

Im Dialog mit dem Publikum

 

Auf die Ausführungen der Referierenden folgte jeweils ein von den Mitveranstaltern moderierter Dialog, an dem sich das Publikum sehr rege beteiligte. Die Bandbreite der Fragen reichte von Energieausweis für Gebäude und Anreizen zur thermischen Sanierung über die Energiewende als Selbstläufer und historische Beispiele gesellschaftlicher Veränderungsprozesse, freien Warenverkehr und falsche Umverteilung bis zu "Muss nicht auch das Wort Verzicht endlich in den Mund genommen werden?"

 

Angela Köppl vom Wirtschaftsforschungsinstitut nannte drei Leitlinien zur Umgestaltung des Energiesystems: Low Energy, also Reduzierung des Energiebedarfs, Low Carbon, Umorientierung von fossilen zu erneuerbaren Energieträgern und Low Distance, das heiße Vermeidung redundanter Verkehrsströme durch Interaktion von Raumplanung und Mobilitätsbedürfnissen. Zugrunde liege diesen Prinzipien Bewusstseinsbildung, meinte sie weiter und "Wir dürfen uns nicht vormachen, dass mit dem Umstieg auf erneuerbare Energie alle Probleme gelöst sind".

 

"Die billigste und umweltfreundlichste Energie ist jene, die nicht konsumiert wird", - Verzicht, intergenerativ zu denken und Vorbild zu sein waren einige der gemeinsamen Nenner der ExpertInnen und der anschließenden Podiumsdiskussion, an der Christian Onz, Rechtsanwalt, Andreas Urschitz, Infineon Technologies, Rotraut A. Perner, Psychoanalytikerin und Juristin und Christian Felber, Buchautor Attac Österreich teilnahmen.

Die Verantwortung für eine nachhaltige, neue Energiekultur  könne weder Gesetzgebung noch EndkonsumentIn allein tragen, nur eine gemeinsame Anstrengung könne der Schlüssel sein, wobei sich die Gesellschaft im Kollektiv ihrer Möglichkeiten wieder stärker bewusst werden sollte. Viele Bereiche seien zurzeit in Bewegung, eine Zeit, die Risiken in sich trägt und zugleich Chancen, über diese vielen Gebiete hinweg, den Mensch im Mittelpunkt, neue Rahmenbedingungen für eine vorausschauende neue Energiekultur zu schaffen.

Die Initiative Risiko:dialog

Die Initiative Risiko:dialog von Radio Österreich 1 und Umweltbundesamt steht für Risikokultur. Mit AkteurInnen und Beteiligten werden Dialoge gestaltet, die gekennzeichnet sind von Vielfalt und Offenheit, um gemeinsam Handlungsspielräume zu erkennen, die einen vorsorgenden Umgang mit Risiken ermöglichen. Unterstützt wird die Initiative von den Partnerinstitutionen Lebensministerium, Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung, Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit, Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie, Forschungsförderungsgesellschaft und Universität für Bodenkultur. Die Verbund-Austrian Power Grid AG ist Sponsorpartner der Initiative Risiko:dialog, Medienpartner ist DER STANDARD.

Der Science Event bildete einen Informationsschwerpunkt zum Thema "Risiko Energiegesellschaft", Ressourcen im Risiko:dialog. Die inhaltliche Ausrichtung der Vorträge war unter anderem geprägt vom Themenfindungsprozessen der Fokusgruppen, die im Vorfeld stattfanden. Kooperationspartner der Veranstaltung waren die Universität für Bodenkultur, das Land Vorarlberg und das Bundesamt für Naturschutz Deutschland.

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  • Umweltbundesamt/M. Deweis

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